Hochsensible Rampensau?

Wie in meinem Intro geschildert hätte ich mir auf den ersten Blick nicht vorstellen können, dass sich Hochsensibilität und Extrovertiertheit auch paaren können. Zwischenzeitlich habe ich jedoch erfahren, dass rund ein Drittel aller HSP extrovertiert sind. Gar nicht schlecht!

In meinem Leben habe ich schon oft die Erfahrung gemacht, dass ich andere mit meinem Enthusiasmus und meiner Motivation angesteckt, aber auch manche damit überrannt habe. Lange Zeit und oft war ich hier abwertend anderen Menschen gegenüber, da ich die Langsamkeit und Insichgekehrtheit mancher nicht verstanden habe. Und grundsätzlich ging es mir eh nicht schnell genug.
Wer mich oberflächlich kennt, der würde sehr wahrscheinlich nicht vermuten, dass sich HSP bin. Ich kann dominant sein und laut. Ich kann auch mal hitzig diskutieren und habe ein Sturkopf. Und vor allem wirke ich sehr selbstsicher.

In diversen Workshops und Fortbildungen, die ich in unterschiedlichen Umfeldern und zu unterschiedlichen Zeiten meines Lebens mitgemacht habe, egal ob beruflich oder privat, wurde am Anfang eine Art Kennenlern-Übung gemacht. Zwei sich bislang noch Fremde tun sich zusammen und erzählen einander von sich, so dass man sich im Anschluss daran gegenseitig der ganzen Gruppe vorstellt. Meist soll man Stärken oder Schwächen nennen, besondere Hobbys und häufig auch ein Geheimnis, dass keiner ahnen könnte. Hier habe ich bereits seit vielen Jahren immer wieder gesagt, dass ich eigentlich schüchtern sei. Die meisten Leute haben gelacht. Ist ja schön, dass sie mir solche Entertainer-Qualitäten zutrauen, jedoch war das einfach die Wahrheit.

Ich habe früh in meinem Leben intuitiv ein Weg entdeckt, wie ich in dieser Welt zurechtkomme. Ich habe nach und nach gelernt, wie Menschen ticken und funktionieren und wie ich deren Aufmerksamkeit gewinnen kann. Als Kind habe ich dazu regelmäßig die uns besuchenden Gastwissenschaftler, die mein Vater regelmäßig nach Hause brachte, auf Englisch zu unterhalten oder kleine Standup Comedy Einlagen vor unseren Nachbarn zelebriert. Das hat mir superviel Spaß gemacht und ich bekam Anerkennung. Also verstärkte ich dieses Verhalten und wurde zur „Rampensau“.

Eine Verhaltensänderung ist jedoch nicht zwangsweise mit einer Änderung der inneren Einstellung gleichzusetzen. Innerlich bin ich immer das Kätzchen geblieben und nicht der Tiger. Mittlerweile liebe ich beide: das Kätzchen und den Tiger. Der Tiger ist großartig, wenn ich mal wieder eine große Veranstaltung moderiere oder einen Vortrag halte. Und das Kätzchen bekommt mittlerweile auch genug Raum in meinem Leben. Eine großartige Mischung, für die ich sehr dankbar bin!

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