Aus der Praxis

Heute widme ich mich dem Thema Arztbesuche. Ich versuche, diese zu vermeiden, wo es nur geht. Klar, denkt Ihr jetzt, keiner will zum Arzt. Ja, schon, wir wollen alle gesund sein. Die Tatsache, zum Arzt gehen zu müssen, ist für keinen toll. Aber ein Arztbesuch kann für HSP richtiger Stress sein. Hier mal meine persönliche Sicht darauf:

Zum Arzt gehen hauptsächlich kranke Menschen. Das bedeutet, dass da auch allerhand Bakterien, Viren und Keime auf fast allem draufkleben (Türklinken, Wasserhähne, Kugelschreiber, Zeitschriften…). Über Türklinken & Co. im Alltag hatte ich ja schon in meinem Post „Anfassen is nich…“ geschrieben. Also eh nicht so mein Ding. In Arztpraxen aber noch ein ganzes Stück schlimmer! Ich frage mich ja immer, welch krasses Immunsystem Hausärzte und deren Team so brauchen. Ich jedenfalls bin dann schön am Hände waschen und desinfizieren und halte meine Atmung so flach wie möglich. Schließlich gibt es ja dann noch das Wartezimmer, in dem man mehr oder weniger lange sitzt. Meist sind Wartezimmer ja voll bis zum Anschlag, und eigentlich sitzt auch immer mindestens eine Person drin, die eine ausgeprägte Erkältung oder ähnliches mit Niesen, Husten etc. hat und wenig davon hält, sich die Hand oder besser den Arm vors Gesicht zu halten. Das ist echt fies. Daher die eher flache Atmung. Ich hab hier ja echt lange Zeit gedacht, dass ich die einzige auf dieser Welt bin, der das so geht, aber zwischenzeitlich kenne ich etliche Menschen, denen es genauso geht und die schon seit Jahren dasselbe praktizieren. Ich versuche Arztbesuche grundsätzlich zu vermeiden, weil ich das Gefühl habe, mich meist noch mehr auszusetzen als dem, womit mein Körper eh schon kämpft. Nun muss ich auch dazu sagen, dass ich mein eigenes Unternehmen habe und seit vielen Jahren auf keinen Krankenschein angewiesen bin. Wenn es mir nicht gut geht, versuche ich, kürzer zu treten. Dafür muss ich halt auch alles wieder voll abfangen im Nachgang. Im Falle einer Anstellung ist man eher gezwungen, zum Arzt zu gehen, so dass man sich danach Zuhause auskurieren kann. Da kommt man also nicht drum herum. Diese ganze Ansteckungssache ist also ein Aspekt von Arztbesuchen als HSP.

Der andere Aspekt ist, dass man nach Möglichkeit den Arzt irgendwie mit „ins Boot“ holen sollte, also in die Tatsache, dass man HSP ist, einzuweihen. Dadurch, dass man als HSP tendenziell viel mehr und auch früher spürt als andere Patienten wird man von unsensiblen (ja, ich schreibe nicht Nicht-HSP, sondern ich meine wirklich unsensible Menschen) schnell als Hypochonder, Panikmacher oder was auch immer abgetan werden kann. Zudem habe zumindest ich ein erhöhtes Informationsbedürfnis und möchte viel über die Hintergründe von Diagnosen, Krankheitsbildern, Medikamenten und Zusammenhänge wissen. Das sind viele Ärzte auch nicht gewohnt. Viele Hausärzte sind ja sogar so unterwegs, dass sie einen einfach mal direkt fragen, für wie lange man eigentlich krankgeschrieben werden will. Da geht es oft nicht mal um eine konkrete Diagnose und geeignete Behandlung, sondern es wird davon ausgegangen, dass man blaumachen will. Einen guten Hausarzt an seiner Seite zu wissen ist Gold wert. Ich musste viele Jahre suchen!



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