Konferenzen

Heute möchte ich euch ein paar Tipps geben, wie ihr euch als HSP auf großen Veranstaltungen wie zum Beispiel Kongressen oder ähnlichem wohler fühlen könnt. Beginnen wir schon beim gesamten Rahmen. Meist finden Veranstaltungen ja nicht unbedingt in der Heimatstadt statt. Dies bedeutet, dass wir anreisen müssen und je nachdem auch dort übernachten.

Für die Anreise hat sich bei mir die Deutsche Bahn als erste Wahl herauskristallisiert. Meist performt sie besser als ihr Ruf und die meisten größeren Städte innerhalb Deutschlands sind recht gut erreichbar. Als Hochsensible ist für mich klar, dass ich es im Großraumwagen nicht aushalte. Deshalb unbedingt rechtzeitig buchen und einen Platz in einem Abteil reservieren. Gottseidank kann ich es mir leisten, erste Klasse zu fahren. Hier ist meist auch noch weniger los bzw. das Reisepublikum ist noch ein Stück angenehmer und ruhiger, da es sich oft um Geschäftsleute handelt, die ebenfalls eine stille Atmosphäre bevorzugen, um zu arbeiten. Ich buche immer ein Ruheabteil, denn hier kann ich mich gegebenenfalls darauf berufen, sollte mal ein Mitreisender im Abteil doch mal zu laut sein. Aufgrund einer feinen Nase wähle ich nach Möglichkeit nie das Ruheabteil neben der Toilette. Hier riecht es sehr oft unangenehm. In den meisten Zügen gibt es drei Ruheabteile pro Wagen. Das bedeutet, ich nehme das, das am weitesten weg von der Toilette liegt.

Ich habe einen sogenannten Noise-Cancellation-Kopfhörer. Dieser filtert Geräusche aus der Umgebung heraus und dimmt sie herunter. Wahlweise kann ich den Kopfhörer in diesem Modus tragen ohne überhaupt Musik oder ein Hörbuch anzuhören oder mir eben auch etwas anhören. Zugegebenermaßen war das Tragen dieses Kopfhörers für mich in der ersten Zeit extrem befremdlich. Am Anfang war mir sogar schwindelig und latent schlecht, da er schlichtweg irgendetwas mit meinem Kopf macht. Mit Musik oder Hörbuch ist das ganze deutlich weniger mit der Zeit wurde es generell weniger. Dieser Kopfhörer ist übrigens auch Gold wert für Flugreisen. Zwar auch nicht ganz günstig, aber definitiv eine sinnvolle Anschaffung!

Bei der Buchung des Hotels achte ich immer darauf, nach einem ruhigen Zimmer zu fragen. Ich frage nach Early Check-in und Late Check-out Zeiten, um meine vorübergehende “Höhle“, die mir als Rückzugsort dient, so lange wie möglich zur Verfügung zu haben. Zudem bitte ich immer um ein Zimmer, das möglichst weit weg vom Aufzug liegt. Ich hatte schon zu viele schlaflose Nächte mit Aufzuggeräuschen und lärmenden betrunkenen Hotelgästen auf dem Flur. Sobald ich in mein Zimmer eingecheckt bin prüfe ich die Klimaanlage. Da ich bei laufender Klimaanlage nur sehr schlecht schlafe möchte ich diese nach Möglichkeit nachts komplett ausschalten können. Je nach Hotelzimmer ist dies schlichtweg als Gast überhaupt nicht möglich. Ich hatte auch schon einmal einen Haustechniker im Zimmer, der mir für diese eine Nacht über einen nur schwer zugänglichen Schalter die Klimaanlage ausgeschlagen hat. Manchmal hilft übrigens auch das Öffnen des Fensters, da Klimaanlagen dann in manchen Fällen auch automatisch ausgehen. Natürlich kann ein offenes Fenster aber auch wieder eine andere Geräuschkulisse mit sich bringen. Für nachts habe ich grundsätzlich ein Päckchen Oropax dabei. Leider passen mir die wiederverwendbaren Modelle nicht, so dass sich auf die aus Wachs zurückgreifen muss. Die Kassiererin in meinem Drogeriemarkt grinst immer schon, wenn ich einen kompletten Karton dieses Produktes aufs Warenband lege. 😉

Auf der Veranstaltung selbst versuche ich meist, mir einen Platz am Rand zu finden und sitze sogar recht oft weit vorne. Hier sehe ich gut, höre gut und habe wenige andere Dinge und Personen in meinem Sichtfeld, die mich vom vermittelten Inhalt ablenken könnten. Gottseidank habe ich keine Scheu im Zweifel auch einfach aufzustehen und mein Sitzplatz zu verlassen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich eine Pause brauche. Hier muss man dann ja durch die gesamte „Meute“. Es hat sich übrigens für mich bewährt, möglichst ein Hotel zu wählen, dass zur Veranstaltung Location gehört. Es ist unbezahlbar, in Pausen die Möglichkeit zu haben, sich kurz aufs Zimmer zurückziehen zu können.

Zum Durststillen habe ich meist eine kleine Flasche Wasser in der Tasche oder nehme ein gefülltes Glas mit an meinen Sitzplatz. In meiner Handtasche findet sich meistens auch ein „Notfallriegel“ (siehe Blogpost). Wenn mein Hungergefühl einsetzt, habe ich in der Regel 20-30 Minuten Zeit, um mir etwas zu essen zu suchen. Ist diese Zeit verstrichen habe ich ein ernsthaftes Problem. Ich schätze, nur Hochsensible können nachvollziehen wie nahe ich mich in solchen Momenten einer Ohnmacht fühle. Mein System steht auf SOS. Es geht ums Überleben. Also vorsorgen! Genau deshalb ist es auch wichtig, auf Kongressen sicherzustellen, dass man abendliche Stehempfänge bis zur Eröffnung des Büfetts überlebt. Wie oft ist es mir früher schon passiert am Rande meiner Kräfte mit einem Sektglas in der Hand den Wunsch zu verspüren mich einfach nur hinzulegen. Seitdem gehe ich meist nochmal kurz Essen, bevor ich mich für den Abend fertigmache. Von Zeit zu Zeit lachen andere darüber, wiederum andere verstehen das ganze – jedoch meist nicht weil sie hochsensibel sind, sondern weil ihnen der Alkohol ohne Essen zu schaffen macht! 😀

Im Nachgang von solchen mehrtägigen großen Veranstaltungen hat sich bei mir gezeigt, dass es gut ist, wenn ich im Anschluss ein bis zwei Tage Ruhe zu Hause habe. Wenn zwei oder drei Tage lang die ganze Zeit nur neue Eindrücke und Emotionen auf mich eingepresst sind, wollen diese schließlich erst mal verarbeitet werden.

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